Am 18. September 2025 lud das Innovationsbündnis LAND.VISION zur nächsten Ausgabe der Veranstaltungsreihe AgrarImpulse ein. Im Mittelpunkt stand diesmal der Einsatz von Agrardrohnen im Zwischenfruchtanbau. Die Transferwerkstatt wurde gemeinsam mit dem Interreg-Projekt „Zwischenfruchtanbau auf Grenzstandorten“ sowie in Kooperation mit dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, der Wirtschaftsförderung Sachsen und dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durchgeführt. Rund 110 Teilnehmende folgten der Einladung – ein eindrucksvoller Beleg für die große Relevanz des Themas.
Auftakt: Politik und Wissenschaft im Dialog
Die Veranstaltung wurde von Herrn Jörg Müller von Berneck (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft) eröffnet, der die Chancen der Drohnentechnologie für die Landwirtschaft hervorhob. Prof. Knut Schmidtke, wissenschaftlicher Leiter von LAND.VISION, stellte im Anschluss die Vorteile digitaler Anwendungen für den ressourcenschonenden Pflanzenbau heraus. Die Moderation übernahm Frau Dr. Claudia Scholta von der Wirtschaftsförderung Sachsen.
Fachvorträge: Von KI bis Drohnenschwarm
Die Vorträge gaben einen umfassenden Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse, Praxiserfahrungen und internationale Ansätze:
- Florian Männer (Fraunhofer IGD) sprach über KI-basierte Pflanzenerkennung im Grünland mit Drohnen. Anhand von Bilddaten zeigte er, wie Drohnen für die Analyse von Pflanzenbiomasse und -qualität, die Krankheits- und Schädlingsdetektion oder die Einschätzung von Biodiversität eingesetzt werden können. Besonders hervorgehoben wurden Applikationskarten für ein zielgerichtetes Spot-Spraying, beispielsweise zur Bekämpfung von Ampfer oder Jakobskreuzkraut.
- Andreas Schmidt (EXAgT GmbH) stellte im Vortrag „Monitoring und Beikrauterkennung im Ackerbau“ das LAND.VISION-Projekt Boniturschwarm vor. Er erläuterte, wie Multispektraldaten zur Erstellung digitaler Dünge- und Spritzkarten genutzt werden und wie Drohnenbilder inzwischen eine praxistaugliche Unterscheidung zwischen Kulturpflanzen und Beikräutern ermöglichen.
- Punktbonituren mit Standarddrohnen erlauben eine kostengünstige und schlagkräftige Datenerhebung, bergen aber die Gefahr, Unkrautnester zu übersehen.
- Dienstleister mit Spezialdrohnen können große Flächen schnell erfassen und Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden liefern, sind aber kostenintensiv.
- Der Boniturschwarm – ein koordinierter Einsatz mehrerer Standarddrohnen – verbindet hohe Flächenleistung mit Wirtschaftlichkeit, erfordert aber eine anspruchsvolle Flugplanung und schnelle Datenverarbeitung.
- Jan Lukás (Czech Agrifood Research Center) berichtete über den Drohneneinsatz in Tschechien. Sein Schwerpunkt lag auf Präzisionslandwirtschaft: Anbaumaßnahmen sollen zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und mit passender Intensität erfolgen. Mithilfe von GPS, GIS, IoT und Satellitendaten können Heterogenitätskarten erstellt, Stressfaktoren frühzeitig erkannt und variable Applikationskarten für Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz erzeugt werden. So lassen sich Materialeinsparungen, höhere Erträge und ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz erzielen.
- Marcus Ehrler (Saatgut 2000) ging auf die Bedeutung von Zwischenfrüchten für Bodenschutz, Humusaufbau, Nährstofffixierung und Wasserspeicherung ein. Besonderes Augenmerk legte er auf Gebirgsregionen, in denen Drohnensaat zeitliche und bodenschonende Vorteile bringt. Die Technik ermöglicht eine frühe Aussaat noch vor dem Mähdrusch, ohne zusätzliche Bodenbearbeitung oder Befahrung. Herausforderungen bestehen jedoch bei der Keimung, der Verunkrautung sowie bei Schädlingsdruck und Niederschlagsabhängigkeit. Für die Drohnensaat empfahl er speziell geeignete Arten wie Phacelia, Kleearten, Ölrettich oder Leindotter, während großkörnige Leguminosen und Dunkelkeimer weniger geeignet sind.
Praxis hautnah: Feldvorführungen und Drohnentechnik live
Nach einem Mittagsimbiss mit Gelegenheit zum fachlichen Austausch ging es für die Teilnehmenden auf die Versuchsflächen:
- Lukas Schmidt und Stefanie Pencs (LfULG) stellten die Ergebnisse des Interreg-Projektes zum Zwischenfruchtanbau vor und präsentierten verschiedene Saatvarianten im Aufwuchs.
- Prof. Knut Schmidtke (HTW Dresden) zeigte an einem Bodenprofil die Durchwurzelung und Eignung verschiedener Zwischenfrüchte und verdeutlichte deren Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit.
- Robert Baum (TreeCopter Drohnendienstleistungen) demonstrierte den Einsatz einer Agrardrohne live. Neben der Vorführung berichtete er praxisnah über Kosten, Vorteile und Grenzen der Technik – von der schnellen Einsatzfähigkeit bis zu Fragen der Wirtschaftlichkeit.
Fazit: Drohnen als Zukunftstechnologie im Ackerbau
Zum Abschluss fasste Thomas Schneider, Bündniskoordinator von LAND.VISION, die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und dankte allen Beteiligten. Sein Fazit: Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Potenzial der Drohnentechnologie im Zwischenfruchtanbau ist – sei es für die Bonitur, die Beikrauterkennung oder die Aussaat. Entscheidend bleibt die richtige Balance zwischen Flächenleistung, Datenqualität und Kosten. Die Resonanz mit über 100 Teilnehmenden bestätigt: Praxisnahe Innovationen wie diese stoßen auf großes Interesse in der Landwirtschaft.












