Background
In der Landwirtschaft fallen jährlich große Mengen an Agrarkunststoffen an, insbesondere aus Folien, Netzen und Erntegarnen, die überwiegend aus fossilen Polymeren wie Polypropylen bestehen. Diese Materialien sind zwar funktional, führen jedoch durch Verwitterung, unsachgemäße Entsorgung oder Eintrag über Wirtschaftsdünger zu Mikro- und Makroplastikbelastungen in Böden. Bestehende Recyclinglösungen greifen nur teilweise und Alternativen sind bislang unzureichend verfügbar oder technisch nicht ausgereift. Gleichzeitig steigen politische und gesellschaftliche Anforderungen an nachhaltige, kreislauffähige Materialien. Daraus ergibt sich ein hoher Innovationsbedarf für umweltfreundlichere Lösungen im Agrarbereich.
Idee
Das Projekt verfolgt die Idee, konventionelles Erntebindegarn durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen, die sowohl funktional als auch ökologisch überzeugen. Im Fokus stehen Naturfasern wie Hanf, Flachs und Wolle sowie der biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoff PBS. Ziel ist es, die Vorteile beider Ansätze zu kombinieren und bestehende Schwächen, etwa bei Festigkeit oder Verfügbarkeit, auszugleichen. Gleichzeitig sollen neue Wertschöpfungsketten zwischen Landwirtschaft und Textilindustrie entstehen. Damit wird ein Beitrag zur Bioökonomie und zur regionalen Wirtschaftsentwicklung geleistet.
Lösung
Die angestrebte Lösung ist die Entwicklung eines leistungsfähigen, biologisch abbaubaren Erntegarns mit ausreichender Reißfestigkeit für den praktischen Einsatz. Dafür werden biobasierte PBS-Garne sowie potenziell naturfaserbasierte Varianten entwickelt, getestet und optimiert. Ergänzend wird die passende Knotertechnologie angepasst, um die Verarbeitung in bestehenden Pressensystemen sicherzustellen. Auch Recycling- und Verwertungskonzepte werden mitgedacht, um eine Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Die Lösung zielt auf eine marktfähige Alternative zu fossilen Materialien ab.
Methodik
Das Projekt kombiniert materialwissenschaftliche Entwicklung, agrartechnische Tests und industrielle Umsetzung. Forschungs- und Industriepartner arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen – von der Rohstoffauswahl über die Compoundierung und Garnherstellung bis hin zu Labor- und Praxistests. Anforderungen aus der landwirtschaftlichen Praxis werden frühzeitig integriert und in Versuchen validiert. Die entwickelten Materialien und Technologien werden iterativ optimiert und anhand technischer sowie ökologischer Kriterien bewertet. Demonstratoren und Muster dienen der praxisnahen Erprobung und Weiterentwicklung.
Erwartete Ergebnisse
Erwartet werden neue biobasierte Erntegarne mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit zu konventionellen Produkten und deutlich verbesserten Umwelteigenschaften. Zudem entstehen angepasste Produktionsverfahren sowie eine kompatible Knotertechnologie. Das Projekt stärkt regionale Wertschöpfungsketten, insbesondere in der Textilindustrie, und eröffnet neue Marktchancen im Bereich biobasierter Materialien. Langfristig trägt die Lösung zur Reduktion von Mikroplastik in Böden und zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft bei. Darüber hinaus bieten die Ergebnisse eine Grundlage für weitere Anwendungen technischer Textilien und Folgeprojekte.