Blühhafer

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden / Rubinmühle Vogtland GmbH / Saatgut 2000


Projekt-Update 31.07.2026 – „Blühhafer“ liefert erste vielversprechende Zwischenergebnisse

Erste Erfolge aus dem Feld: Das Innovationsprojekt „Blühhafer“ wirkt!

Im Frühjahr 2026 sind an drei sächsischen Standorten – von Mittelsachsen bis ins Vogtland – vielseitige Versuchsreihen an den Start gegangen. Seit Mai wird mit speziellen Malaisefallen die lokale Insektenvielfalt gemessen. Die Ergebnisse der ersten Fallenleerungen im Juni sprechen für sich: Während Phacelia, Dill und Fenchel für ein buntes Nahrungs- und Lebensraumangebot sorgen, zeigt sich in den Blühhafer-Parzellen bereits eine deutlich höhere Insektenbiomasse als auf den Kontrollflächen. Ein starkes Signal für mehr Biodiversität im Ackerbau!

Verpassen Sie keine Meilensteine – wir halten Sie hier regelmäßig über die nächsten Schritte auf dem Laufenden.


Mehr Biodiversität auf Ackerflächen durch innovative Mischkulturen

Jahrzehntelang war der Ackerbau fast ausschließlich auf Reinsaaten fokussiert. Das sichert zwar stabile Erträge, führt jedoch zu einer zunehmenden Verarmung der Artenvielfalt in unseren Agrarlandschaften. Das im Rahmen von LAND.VISION initiierte Innovationsprojekt Blühhafer bricht diese Monokulturen auf: Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden entwickelt gemeinsam mit der Rubinmühle Vogtland GmbH und Saatgut 2000 ein neues, zukunftsweisendes Anbausystem. Durch die gezielte Integration von blühenden Beipflanzen in Haferbestände wird eine optisch attraktive Polykultur geschaffen, die die Insektenvielfalt nachweislich fördert und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige Ernte sichert.

Die Herausforderung – Der Rückgang von Insekten und der Wunsch nach ökologischem Ackerbau

Der dramatische Rückgang blütenbesuchender Insekten fordert ein schnelles Umdenken und den Wandel hin zu ökologisch verträglicheren Methoden im Ackerbau. Bisherige Ansätze zu Mischkulturen beschränkten sich jedoch meist auf reine Futter- oder Körnerleguminosen in Kombination mit Getreide. Obwohl Hafer hervorragend an die Standortbedingungen in der Region angepasst ist, wird er bislang fast ausschließlich in Reinsaaten angebaut. Es fehlt an praxistauglichen Systemen, die die Biodiversität auf den Ackerflächen sichtbar und messbar steigern, ohne dabei den Ertrag oder die Qualität des Hauptprodukts zu gefährden. Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Betriebe für diese wertvolle Gemeinwohlleistung auch wirtschaftlich entlohnt werden.

Die Idee – Der Blühhafer als Pionier für artenreiche Polykulturen

Das Projekt Blühhafer nutzt die Synergien der Natur, um Ökologie und Ökonomie direkt auf der Ackerfläche zu vereinen. Die Idee setzt auf eine ganzheitliche Systeminnovation:

  • Artenreiche Beipflanzen: Gezielt ausgewählte, blühende Beipflanzen werden im Haferbestand etabliert, um die Insektendichte zu erhöhen und das Landschaftsbild aufzuwerten.
  • Echte Ertragssicherheit: Die Kulturen werden so aufeinander abgestimmt, dass die maschinelle Ernte und die Qualität des Speisehafers unbeeinträchtigt bleiben.
  • Attraktives Wertschöpfungsmodell: Durch eine transparente Kommunikation und eine neue, faire Vermarktungsstrategie entsteht ein nachhaltiges Modell, von dem alle Partner:innen entlang der Kette profitieren.

Der Weg zur Lösung – Vom Kleinversuch zur großflächigen Praxisprüfung

Die Entwicklung des Blühhafers kombiniert wissenschaftliche Exaktheit mit landwirtschaftlicher Praxis. Die HTW Dresden testet zunächst rund 30 verschiedene Beipflanzenarten in Kleinparzellen auf ihre Eignung im Haferbestand, wobei besonders auf niedrige Saatdichten geachtet wird, um die Hauptkultur nicht zu stören. Erfasst werden die Auswirkungen auf den Ertrag, die Kornqualität und den Insektenbesatz.

Die vielversprechendsten Artenkombinationen werden anschließend in großflächigen Praxisversuchen (ca. 5 Hektar) auf den Ackerflächen sächsischer Betriebe erprobt, inklusive einer anschließenden Saatgutaufbereitung und einer umfassenden wirtschaftlichen Bewertung. Flankierend dazu baut das Projektteam eine regionale Betriebsgruppe „Blühhafer“ auf, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch direkt unter den Landwirt:innen zu fördern und das System fest in der Region zu verankern.

Artenvielfalt, die sich auszahlt – Das bringt Blühhafer

Das Projekt liefert ein rundum praxistaugliches Anbausystem, das als Pilotcharakter für eine generelle Wende hin zu Polykulturen im Ackerbau dient. Die erwarteten Effekte für Umwelt und Wirtschaft:

  • Sichtbarer Naturschutz: Eine messbare Steigerung der Insektenvielfalt, eine landschaftsbildprägende Blühwirkung und eine damit verbundene höhere gesellschaftliche Akzeptanz für die Landwirtschaft.
  • Attraktive Vermarktung: Durch den Aufbau einer neuen, regionalen Produktlinie wird der ökologische Mehrwert für alle Partner:innen – von den Erzeuger:innen bis zur Mühle – wirtschaftlich nutzbar gemacht.
  • Schnelle Verbreitung: Bei erfolgreichem Verlauf lässt sich das Blühhafer-System rasch in der gesamten Region etablieren und unkompliziert auf andere landwirtschaftliche Kulturen übertragen.

Projektleitung
Prof. Dr. Knut Schmidtke
E-Mail: knut.schmidtzke@htw-dresden.de

und

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
M.Sc. Karl Slabke
E-Mail: karl.slabke@htw-dresden.de

Neuigkeiten zum Projekt

Artenvielfalt im Haferfeld

Pressemitteilungen
Erste Erfolge auf den sächsischen Versuchsfeldern: Blühhafer zeigt, wie moderne Agrarökologie funktionieren kann. Aktuelle Daten der installierten Insektenfallen belegen ein deutlich höheres Vorkommen von Nützlingen in den blühenden Haferbeständen im Vergleich zu herkömmlichen Flächen. ►Jetzt mehr lesen! mehr erfahren

Blühende Aussichten im MDR

Updates
Ein aktueller MDR-Beitrag beleuchtet das fortgeschrittene Innovationsprojekt zur zukunftsweisenden „Blühhafer“-Mischkultur und bietet im begleitenden Podcast mit Projektleiter Prof. Dr. Schmidtke fundierte Einblicke in den aktuellen Forschungsstand. mehr erfahren