Das Projekt „PLaNT“ will nachhaltige Erntebindegarne in der sächsischen Landwirtschaft etablieren
- Biologisch abbaubare Pressengarne im Fokus: Ein starkes Konsortium entwickelt umweltfreundliche Alternativen aus Naturtextilien und biobasierten Kunststoffen.
- Effektiver Schutz vor Mikroplastik in der Landwirtschaft: Das neue Forschungs- und Entwicklungsprojekt reduziert Plastikrückstände und schützt sächsische Agrarböden nachhaltig.
- Vom Feldtest zur Marktreife: Umfassende Praxiserprobung der neuen, reißfesten Pressengarne sichert die Wirtschaftlichkeit und Funktionalität für landwirtschaftliche Betriebe.
Dresden, 11. Juni 2026 – Das Bild von frisch gepressten Heu-, Stroh- oder Silageballen auf den Feldern gehört zur Erntezeit fest zum sächsischen Landschaftsbild. Doch was nach ländlicher Idylle aussieht, birgt ein unsichtbares Problem: Die dafür unverzichtbaren Erntebindegarne bestehen heute fast ausschließlich aus fossilen Kunststoffen wie Polypropylen. Durch Witterung, mechanischen Abrieb oder unsachgemäße Entsorgung verbleiben Garnreste oft unbemerkt auf der Fläche. Sie zerfallen langfristig zu Makro- und Mikroplastik im Boden und belasten die landwirtschaftlichen Ökosysteme über Generationen hinweg. Um diesen Plastikeintrag effektiv zu stoppen, setzt das Innovationsbündnis LAND.VISION genau jetzt auf eine grüne und zukunftsfähige Alternative. Mit dem Verbundprojekt „PLaNT“ (Pressengarn für die Landwirtschaft aus NaturTextil) startet ein wegweisendes Vorhaben, das eine nachhaltige Alternative zu Kunststoff-Pressengarnen zur Praxisreife führt.
Das Konzept: Zwei Wege zu biobasierten Bindematerialien
PLaNT setzt dort an, wo Ökologie und landwirtschaftliche Praxis aufeinandertreffen. Um nachhaltige Bindegarne für Rundballen und Großpackenpressen erfolgreich zu etablieren, erforscht und erprobt das Konsortium parallel zwei innovative Materialansätze:
- Naturfasern als regionale Ressource: Im Fokus steht die Nutzbarmachung heimischer Rohstoffe. Unter anderem wird die Eignung und Verarbeitung von Hanf Pressengarn sowie Mischungen aus Flachs oder Schafwolle intensiv geprüft, um die regionale Wertschöpfung in Sachsen zu stärken.
- Biobasierte Kunststoffe: Parallel dazu wird der biobasierte Kunststoff PBS (Polybutylensuccinat) untersucht. PBS zeichnet sich durch eine hervorragende Verarbeitbarkeit aus und bietet mechanische Eigenschaften, die denen konventioneller Kunststoffe sehr nahekommen.
Die technologischen Anforderungen an die Neuentwicklungen sind enorm: Die neuen Bindematerialien müssen den extremen Zugkräften moderner Erntemaschinen standhalten und absolut prozesssicher funktionieren. Obwohl die aktuell anspruchsvolle Marktsituation bei der Beschaffung von PBS eine zusätzliche Herausforderung darstellt, sieht das Konsortium in diesem Werkstoff ein strategisches Schlüsselpotenzial für eine zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft.
Ganzheitliche Entwicklung und Praxistests im Einklang
Das Projekt bildet die gesamte Wertschöpfungskette lückenlos ab – von der Materialauswahl über die großtechnische Garnherstellung bis hin zu großflächigen Feldversuchen. Die neuartigen Garne werden nicht nur im Labor geprüft, sondern gemeinsam mit angepassten Knotertechnologien unter realen Einsatzbedingungen direkt auf den Feldern regionaler Partnerbetriebe getestet. Flankierend untersuchen die Forschenden die biologische Abbaubarkeit im Boden sowie geschlossene Recycling- und Verwertungskonzepte, um den Plastikeintrag in der Landwirtschaft nachhaltig zu minimieren.
Die Projektkoordination übernimmt das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI). Gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden, der Tecnaro GmbH und der Schumacher Bergische Werke GmbH werden die neuen Lösungen entwickelt. Die Saxa-Syntape GmbH aus Werdau hat bereits zum Projektstart als regionales Unternehmen Interesse an einer industriellen Fertigung bekundet.
Gefördert wird das Vorhaben als strategischer Teil des LAND.VISION-Bündnisses, um die Innovationskraft regionaler Unternehmen zu stärken und zu zeigen, wie biobasierte Materialien in der Landwirtschaft erfolgreich auf dem Markt etabliert werden können. Mit PLaNT beweist die Allianz für Agrarinnovationen eindrucksvoll, dass Leistungsfähigkeit und Ökologie auf dem Feld Hand in Hand gehen können.
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