Umweltzentrum (UZ) Dresden e.V.
Background
Die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte ist derzeit stark zentralisiert, wodurch lange Transportwege und Abhängigkeiten von Großhändlern entstehen. Regionale Verarbeitungsstrukturen für Hülsenfrüchte sind kaum vorhanden, insbesondere fehlen entscheidende Prozessschritte wie Wärmebehandlung und Ölpressung. Gleichzeitig werden Leguminosen in der Projektregion bislang nur begrenzt angebaut, obwohl sie großes Potenzial für Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Stickstofffixierung bieten. Auch durchgehende Wertschöpfungsketten existieren nicht, was ihre wirtschaftliche Attraktivität einschränkt. Insgesamt besteht eine strukturelle Lücke zwischen Anbau, Verarbeitung und Vermarktung.
Idee
Das Projekt verfolgt die Idee, eine mobile Kompaktverarbeitungseinheit für Hülsenfrüchte aufzubauen und diese über einen regionalen Stützpunkt zu organisieren. Ergänzend soll ein Netzwerk aus Erzeugern, Verarbeitern und Abnehmern entstehen, das eine vollständige Wertschöpfungskette ermöglicht. Zentrales Element ist die gemeinschaftliche Organisation, voraussichtlich in Form einer Genossenschaft. Darüber hinaus wird eine digitale Plattform zur Vernetzung von Angebot und Nachfrage entwickelt. Ziel ist es, regionale Kreisläufe zu stärken und die Unabhängigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu erhöhen.
Lösung
Die Lösung besteht in einer mobilen Einheit, die direkt auf landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt werden kann und zentrale Verarbeitungsschritte wie Reinigung, Sortierung, Wärmebehandlung und Ölpressung abdeckt. Dadurch wird Wertschöpfung unmittelbar vor Ort generiert und Transportaufwand reduziert. Ergänzt wird dies durch den Aufbau einer regionalen Vermarktungsstruktur sowie einer Online-Plattform für den Austausch zwischen Erzeugern und Abnehmern. Ein skalierbares Geschäftsmodell ermöglicht die Übertragbarkeit auf weitere Regionen innerhalb von LAND.VISION und darüber hinaus. Gleichzeitig werden neue Marktchancen in der Tierfütterung und Humanernährung erschlossen.
Methodik
Das Projekt kombiniert technische Entwicklung, Marktanalyse und Geschäftsmodellentwicklung. Zunächst werden Anbaupotenziale, Bedarfe sowie bestehende Strukturen untersucht, um darauf aufbauend die mobile Verarbeitungseinheit technisch und logistisch zu konzipieren. Parallel wird ein tragfähiges Geschäftsmodell inklusive Finanzierungs- und Betreiberstruktur entwickelt und wissenschaftlich begleitet. Die praktische Umsetzung erfolgt über eine Pilotphase mit Praxispartnern, inklusive Testbetrieb und Optimierung. Flankierend werden Workshops, Befragungen und Kommunikationsmaßnahmen durchgeführt, um Akteure einzubinden und Akzeptanz sowie Beteiligungsbereitschaft zu analysieren.
Erwartete Ergebnisse
Erwartet wird die Etablierung einer funktionierenden, regionalen Wertschöpfungskette für Hülsenfrüchte, die Anbau, Verarbeitung und Vermarktung integriert. Die mobile Verarbeitungseinheit soll technisch erprobt und wirtschaftlich tragfähig sein, sodass eine dauerhafte Betreibergesellschaft gegründet werden kann. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt, Arbeitsplätze geschaffen und die Abhängigkeit von externen Märkten reduziert. Gleichzeitig wird der Anbau von Leguminosen gefördert, was positive Effekte auf Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Klimaschutz hat. Die Projektergebnisse werden so aufbereitet, dass sie als übertragbares Modell für andere Regionen innerhalb von LAND.VISION dienen können.