Biohof zur Steinbrückmühle Hänel GbR
Background
Die Beweidung von Dauergrünland ist eine zentrale Grundlage für den Erhalt artenreicher Kulturlandschaften, die Bereitstellung wichtiger Ökosystemleistungen sowie eine gesellschaftlich akzeptierte Form der Tierhaltung. Besonders in Mittelgebirgsregionen wie dem Osterzgebirge steht diese Form der Bewirtschaftung jedoch zunehmend unter Druck. Hohe Arbeitsbelastung, beispielsweise durch Zaunbau und Tierkontrollen auf schwer zugänglichen Flächen, trifft auf eine oft geringe wirtschaftliche Rentabilität. In der Folge nimmt die Weidehaltung ab, wertvolle Grünlandflächen verbuschen und Biodiversität geht verloren. Vor diesem Hintergrund besteht ein dringender Bedarf an innovativen Ansätzen, die ökologische und ökonomische Anforderungen gleichermaßen berücksichtigen.
Idee
Grazing4Future verfolgt die Idee, digitale Technologien gezielt einzusetzen, um traditionelle Weidesysteme zukunftsfähig zu machen. Im Mittelpunkt steht dabei das virtuelle Zäunen (Virtual Fencing), eine GPS-basierte Technologie, mit der Tiere ohne physische Zäune gelenkt werden können. Dadurch sollen neue Möglichkeiten entstehen, Weidehaltung flexibler, effizienter und gleichzeitig tierwohlgerecht zu gestalten. Die Idee geht über eine rein technische Anwendung hinaus: Es soll ein ganzheitlicher Ansatz entwickelt werden, der die Bedürfnisse landwirtschaftlicher Betriebe, Anforderungen des Naturschutzes sowie gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbindet.
Lösung
Das Projekt entwickelt und erprobt ein integriertes Weidemanagementsystem auf Basis von Virtual Fencing für Rinder und Schafe unter realen Praxisbedingungen. Ziel ist es, eine Lösung bereitzustellen, die den Arbeitsaufwand deutlich reduziert und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Flächenbewirtschaftung eröffnet – etwa durch flexible Beweidung, gezielte Auszäunung sensibler Bereiche oder eine verbesserte Tierüberwachung. Dabei werden technologische Innovationen mit betriebswirtschaftlichen, ökologischen und tierethischen Fragestellungen verknüpft. Die Lösung soll so gestaltet werden, dass sie langfristig von landwirtschaftlichen Betrieben übernommen und in bestehende Systeme integriert werden kann.
Methodik
Grazing4Future setzt auf einen praxisnahen und partizipativen Forschungsansatz. In einem breit aufgestellten Akteursnetzwerk aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Naturschutz werden zunächst Bedarfe und Herausforderungen der Weidehaltung systematisch erfasst. Darauf aufbauend werden konkrete Lösungsansätze mit Virtual Fencing entwickelt und auf einem Pilotbetrieb im Osterzgebirge umgesetzt. Zentrale Bestandteile sind Trainingsversuche zur tiergerechten Anwendung der Technologie, wissenschaftliche Untersuchungen zu Tierverhalten, Tiergesundheit und Tierleistung sowie Analysen zu Grünlandertrag, Futterqualität und Biodiversität. Ergänzend wird die Arbeitswirtschaftlichkeit verschiedener Weidesysteme bewertet. Der kontinuierliche Austausch mit Praxisakteuren und die gemeinsame Reflexion der Ergebnisse sichern eine hohe Anwendungsnähe.
Erwartete Ergebnisse
Das Projekt liefert fundierte Erkenntnisse zur praktischen Umsetzbarkeit und Wirkung von Virtual Fencing in der Weidewirtschaft. Erwartet werden konkrete Handlungsempfehlungen für landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere zur tierwohlgerechten Anwendung und zum effizienten Einsatz der Technologie im Weidemanagement. Darüber hinaus werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf Ökosystemleistungen, Tierverhalten und Wirtschaftlichkeit generiert. Langfristig soll Grazing4Future dazu beitragen, die Weidehaltung attraktiver zu machen, die Nutzung von Dauergrünland zu sichern und die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung zu stärken. Zudem leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung einer breiteren Zulassung der Technologie in Deutschland sowie zur Weiterentwicklung innovativer, digital unterstützter Landnutzungssysteme im Sinne der LAND.VISION-Strategie.