Updates

Die zweite Ernte

Die intensiven Diskussionen bei unserem „4. AgrarImpuls: Energiesystem Landwirtschaftsbetrieb“ haben verdeutlicht, dass Energie längst mehr als nur ein Kostenfaktor ist. In diesem Beitrag steigen wir tiefer in die betriebswirtschaftlichen Details ein und beleuchten fundiert, wie Landwirtschaftsbetriebe durch geschickte Sektorenkopplung und Flexibilisierung neue Erlösquellen erschließen können.


Wie Landwirtschaftsbetriebe mit Energie Geld verdienen können

Energie ist für Landwirtschaftsbetriebe längst mehr als ein Kostenfaktor. Strom, Wärme, Kraftstoffe und Netzinfrastruktur entscheiden zunehmend darüber, wie wirtschaftlich, unabhängig und zukunftsfähig ein Betrieb arbeiten kann.

Gleichzeitig verfügen viele Betriebe über genau die Ressourcen, die im Energiesystem der Zukunft gebraucht werden: Dachflächen, Freiflächen, Wirtschaftsdünger, Biomasse, Wärmebedarfe, Kühlung und Speicherpotenziale. Damit stellt sich eine zentrale Frage: Kann die Energieerzeugung zu einer zusätzlichen Einkommensquelle und somit zu einem lukrativen zweiten Standbein in der Landwirtschaft werden?

Die Antwort lautet: Ja. Aber nicht automatisch. Energie schafft echte Wertschöpfung im ländlichen Raum, wenn sie betriebswirtschaftlich sauber geplant, technisch sinnvoll eingebunden und rechtlich abgesichert wird. Entscheidend ist das Gesamtsystem des Betriebes.

Am Anfang steht nicht die Anlage, sondern die Bilanz

Viele Energieprojekte beginnen mit einer naheliegenden Idee: Auf dem Dach ist Platz für Photovoltaik, die Biogasanlage könnte flexibler laufen oder eine Freifläche scheint für eine moderne Agri-Photovoltaik (Agri-PV) geeignet zu sein. Der erste Schritt sollte jedoch ein anderer sein: der Blick auf die eigenen Zahlen.

Wie hoch ist der Stromverbrauch im Jahr? Wann entstehen Lastspitzen? Welche Verbraucher laufen gleichzeitig? Gerade Milchviehbetriebe oder Betriebe mit intensiver Kühlung und Lüftung haben oft ein hohes Potenzial, wenn sie ein intelligentes Lastmanagement in der Landwirtschaft etablieren. Die wirtschaftlichste Kilowattstunde ist schließlich häufig die, die nicht teuer eingekauft werden muss. Energie als Einkommensquelle beginnt deshalb immer mit Energieeffizienz.

Eigenstrom, Einspeisung und Vermarktung

Die fundierte Prüfung der Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik in der Landwirtschaft steht bei vielen Betrieben ganz oben auf der Agenda. Eine Solaranlage auf Ställen oder Maschinenhallen wird besonders interessant, wenn eine hohe Eigenstromnutzung erzielt werden kann. Dann entsteht Wertschöpfung über vermiedene Stromkosten.

Ein modernes, digitales Energiemanagementsystem (EMS) und intelligente Batteriespeicher können diesen Eigenverbrauch zusätzlich erhöhen. Neben dem Eigenverbrauch bleibt die Einspeisung ein wichtiger Baustein. Je nach Betriebsgröße kommen feste Vergütungen oder die gezielte Direktvermarktung von Strom infrage.

Spannend ist zudem das Thema Energy Sharing, um erneuerbaren Strom künftig regional zu teilen – etwa mit Kommunen, Gewerbe oder Nachbarn. Noch sind damit viele praktische und rechtliche Fragen verbunden, aber daraus kann perspektivisch ein neues regionales Geschäftsmodell entstehen.

Biogas, Wärme und Flexibilisierung

Biogasanlagen, Biomasse und Wärmenutzung sind besonders eng mit landwirtschaftlichen Stoffkreisläufen verbunden. Die Rolle von Biogas verändert sich dabei fundamental: In Zukunft geht es weniger um die reine Grundlastproduktion, sondern viel stärker um die Biogas Flexibilisierung. Das Ziel lautet: Strom genau dann zu erzeugen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichend liefern, und gleichzeitig regionale Wärmekonzepte zu entwickeln.

Das Praxisbeispiel der Agrargenossenschaft Memmendorf e.G. zeigt, wie solche Lösungen aussehen können. Dort greifen Biogasanlage, Photovoltaik, Eigenstromnutzung, Abwärme und Milchkühlung nahtlos ineinander.

Fläche oder Dach verpachten?

Nicht jeder Betrieb möchte selbst als Energieerzeuger und Investor auftreten. Für manche kann eine langfristige Dachverpachtung für Photovoltaik oder die Verpachtung von Freiflächen an einen Projektierer sinnvoll sein. Das schafft planbare Einnahmen und minimiert das eigene Investitionsrisiko.

Gleichzeitig ist dieses Modell rechtlich anspruchsvoll, da Pachtverträge oft über Jahrzehnte laufen. Deshalb gilt: Kein Vertrag ohne spezialisierte rechtliche und steuerliche Beratung.

Was Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter jetzt tun können

Der Einstieg sollte mit einer strukturierten Analyse beginnen:

  • Schritt 1: Energiedaten sammeln (Stromrechnungen, Lastgänge, Wärmeverbräuche).
  • Schritt 2: Potenzialkarte erstellen (Welche Dächer, Flächen, Reststoffe oder Wärmeabnehmer sind vorhanden?).
  • Schritt 3: Geschäftsmodell wählen (Kostensenkung durch Eigenverbrauch, Einspeisung, Flächenpacht oder Wärmeverkauf?).

Erst danach sollten frühzeitig Fachleute wie Energieberater, Netzbetreiber und Steuerberater eingebunden werden.

LAND.VISION als Schnittstelle

Die zentrale Botschaft lautet: Energie wird die klassische Landwirtschaft nicht ersetzen, aber sie kann zu einem stabilen, klimawirksamen Standbein werden.

Genau hier unterstützt LAND.VISION. Das Innovationsbündnis versteht sich als Plattform, die Wissen bündelt, Erfahrungen sichtbar macht und Kontakte zu Expertinnen und Experten vermittelt. Wer die eigenen Zahlen kennt, die passenden Partner einbindet und Energie als Teil des gesamten Betriebssystems denkt, schafft aus Sonne, Wind, Methan und Wärme echte, zukunftsfähige Wertschöpfung.

Wie sieht die Energiebilanz in Ihrem Betrieb aus? Lassen Sie uns die Potenziale Ihres Betriebes gemeinsam analysieren. Das LAND.VISION Netzwerk vermittelt Ihnen unkompliziert Kontakte zu Fachexperten und innovativen Praxisbetrieben!

Schreiben Sie uns!